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Foto: Fernando Lavoz @flavoz

Solidarität zur Gewohnheit werden lassen. Für ein System des Teilens für Chile

Von Andrea Sato, Forscherin Fundación SOL @lafundacionsol

Die Änderung des Rentensystems war die Hauptforderung der sozialen Bewegung, die im Oktober 2019 mit zunehmender Kraft erwachte; darüber hinaus war sie für die Exekutive angesichts der transversalen Herausforderung des Modells der individuellen Konten und des Zwangssparens eines der wichtigsten politischen Probleme des letzten Jahrzehnts, wie in den seit 2010 zunehmenden Volksdemonstrationen deutlich wird.

Seit den Reformen der ersten Regierung von Michelle Bachelet kann man feststellen, dass die an der Macht befindlichen Regierungen mit wenig Erfolg versucht haben, die Renten der Arbeitnehmer zu verbessern, vor allem durch eine stärkere Beteiligung des Staates an der Rentenzahlung. Doch trotz der „Anstrengungen“ der Expertenkommissionen, die sich dem Ausgleich eines nicht tragfähigen Systems verschrieben haben, haben sich die Renten offensichtlich nicht verbessert und werden sich auch nicht verbessern, wenn das System der individuellen Konten beibehalten wird.

Das große Problem der Renten in Chile ist, dass es sich um ein System handelt, das fast ausschließlich auf der beitragspflichtigen Säule basiert, die auf individuellen Konten beruht, d.h. auf den individuellen Ersparnissen jedes Arbeitnehmers. Diese Struktur ist aufgrund ihrer Merkmale dazu verurteilt, niedrige Renten zu zahlen, da ihr Endziel nicht darin besteht, dass die Arbeitnehmer am Ende ihres Arbeitslebens eine angemessene und ausreichende Rente erhalten, sondern sie verfolgt vielmehr das Ziel, die großen nationalen Wirtschaftsgruppen durch Investitionen zu erhalten und zu subventionieren.

Dieses System, von dem einige wenige auf Kosten vieler anderer profitieren, hat ein viel wichtigeres Problem deutlich gemacht: die Unzulänglichkeit der in Chile ausgezahlten Renten. Die Dringlichkeit einer tiefgreifenden Umgestaltung des Rentensystems ist ein politischer Disput, der sich nicht länger auf Diskussionen in großen Sälen und Anfertigung von Berichten ausruhen kann, die parametrische Reformen[1] des Systems vorschlagen, um dann den Menschen die gleichen miserablen Renten zu hinterlassen. Die politische Diskussion ist dringlich, weil es um das Überleben der Rentner in Chile geht. Dies wurde auf den Straßen deutlich und nicht umsonst war eines der ersten Änderungsversprechen im Rahmen der sozialen Revolte vom Oktober ein Vorschlag zur Verbesserung der Renten, der von der Exekutive eingebracht wurde.

Foto: Fernando Lavoz @flavoz

Gegenwärtig erreicht die durchschnittliche selbst finanzierte Ersatzrate[2] ohne staatliche Zuschüsse in den letzten zehn Jahren nicht einmal 20%. Dies wird durch die Beobachtung der letzten Rentner des Jahres 2019 vertieft: Von den 127.000 Personen, die im vergangenen Jahr in den Ruhestand gingen, konnten 50% eine Rente in Höhe von 49.000 Pesos (62 USD) oder weniger selbst finanzieren. Die Kritik liegt auf der Hand: Die Rentner in Chile sind nicht einmal in der Lage, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen und sind zur systematischen Verarmung in einem Land verurteilt, in dem die Lebenshaltungskosten weit über den Beträgen liegen, die von den Pensionsfonds-Verwaltern (Administradoras de Fondos de Pensiones, AFP) an Renten ausgezahlt werden.

Jahrelang wurden die Beitragszahler für ihre niedrigen Renten verantwortlich gemacht: „Sie haben nicht genug gearbeitet“, „Sie haben viele Vorsorgelücken“, „Ihre Gehälter sind sehr niedrig“. Diese Ausreden der Ideologen des Modells zur Verteidigung eines Systems der individuellen Kapitalisierung, das sozial bankrott ist, werden angesichts des Ausmaßes der gegenwärtigen globalen Krise des Kapitals plump, denn es ist klar, dass die Renditen der 80er Jahre nicht zurückkehren werden.

In diesem Szenario ist es dringend erforderlich, tiefgreifende Veränderungen im Kern des Rentensystems vorzunehmen, von einem Modell individueller Konten und individueller Kapitalisierung zu einem umlagefinanzierten, dreigliedrigen System überzugehen, das die Solidarität betont. Der Vorschlag des NO+AFP-Arbeitnehmer-Koordinierungsausschusses schlägt ein Rentensystem vor, das das Auskommen der Rentnerhaushalte garantiert und Mindesteinkommensstandards festlegt, damit niemand am Ende des Arbeitszyklus verarmt. Der Fortschritt in Richtung eines Rentensystems, das soziale Sicherheit und ein Mindesteinkommen für ein auskömmliches Leben garantiert, ist für den Aufbau des Landes, von dem wir heute zu träumen wagen, von zentraler Bedeutung.


[1] Veränderungen, durch die es lediglich zu einer Erhöhung der Beiträge oder des gesetzlichen Renteneintrittsalters bzw. zu einer Veränderung der Leistungen kommt.

[2] Entspricht der Relation der Bruttorente zum zuletzt verdienten individuellen Bruttoeinkommen.

* Übersetzung: Alejandro Boucabeille www.alejandroboucabeille.com

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